Kritik von “Die Schneekönigin”

Kritik von “Die Schneekönigin”

Werra Rundschau vom 4.12.2019

Großes Aufgebot für die Kleinen

Junges Theater inszeniert Klassiker für Grundschulkinder

Eschwege – „Es war einmal…” sind drei Wörter, die Kinderaugen seit jeher zum Leuchten bringen und Generationen vor dem Kamin oder Fernseher versammeln -ganz egal, wie oft sie das Märchen bereits gehört haben. Passend zu der Kälte auf Straßen und dem aktuellen Kino-Hype rund um Disneys Eiskönigin inszeniert das Junge Theater Eschwege den Märchenklassiker „Die Schneekönigin” von Hans Christian Andersen im E-Werk. Marlies Koch, Regisseurin, lockt mit 22 Darstellern und vielen helfenden Händen hinter den Kulissen vor allem Grundschüler als Hauptzielgruppe weg vom Fernseher und rein ins Theater. Bei der Premiere am Sonntagnachmittag bewies die Theatergruppe, nicht nur junge „Theaterneulinge” anlocken zu können, sondern auch selbst genügend Nachwuchs zu haben.

Getreu der Originalfassung besitzt die Schneekönigin, überzeugend dargestellt von Teresa Sickert, einen magischen Spiegel. der das Sonnenlicht bündeln und die Welt in Kälte hüllen kann. Als ihre Trolle (Heiko Alsleben, Nicole Wolf, Manfred Rehbaum, Antonia Salzburger) diesen jedoch zerbrechen, verteilen sich die Splitter und zwei treffen Kai (Luca Siepmann) im Auge und im Herzen. Schon gefriert sein liebevolles Herz und wird mit Boshaftigkeit gefüllt. Als die Schneekönigin Kai in ihr Reich holt, bricht seine Freundin Gerda (Helene Salzburger) mit einem tierisch-menschlichen Fabelgespann zu einer spannenden Rettungsmission auf.

Die Darsteller lassen das Publikum mit leidenschaftlicher Schauspielkunst das Geschehen eintauchen. Der Zuschauer spürt zwar Erfahrungsunterschiede der Darsteller in der Betonung und vor allem Gestik, aber aufwendige Kostüme und die technische sowie musikalische Umsetzung machen dies schnell wett. Sehr gelungen sticht ein aufwendiges Bühnenbild mit mobilen Szenerieelementen hervor. Während besonders die Trolle mit einer bemerkenswerten Rollkenntreue in Stimme und Gestik hervorstechen, liegt die Herausförderung der Protagonisten Helene Salzburger und Luca Siepmann darin, die Gefühlswelt ihrer Figuren zu repräsentieren. Salzburger schafft es, einen tiefen Charakter zu vermitteln und sich trotz teils oberflächlicher Mimik über Stimme und Raumnutzung mit Gerda zu identifizieren. Siepmann meistert die Herausforderung seiner vielseitigen Rollen durch den Persönlichkeitswechsel.

Werra Rundschau vom 4.12.2019, Eschwege, Lorenz Schöggl