Das Gelübde

Das Gelübde

[Vollbild]
von Dominik Busch

Regie Johannes Meier
Gesamtleitung: Johannes Meier und Sebastian Perels

Tim, ein junger Arzt, sitzt in einem Flugzeug, das abstürzt. Auf dem Rückflug von einer afrikanischen Megacity zurück ins mitteleuropäisch stabilisierte Leben zu Hause. Im Moment der Panik legt er ein Gelübde ab: Wenn er den Absturz überleben sollte, geht er zurück in die afrikanische Krankenstation, in der er gerade fünf Monate gearbeitet hat. Und zwar für den Rest seines Lebens.
Mit diesem im Stillen getroffenen, unerhörten Gelübde im Gepäck, trifft er auf die Menschen, die ihm nahestehen, auf Mutter und Vater, auf den engsten Freund, die beste Freundin und auf seine Lebensgefährtin Sara, die das erste gemeinsame Kind erwartet. Seine Beziehung zu diesem Gelübde bringt alle aus der Fassung: Warum gibt er alles auf, um dorthin zurück zu kehren? Es geht in keinen Kopf hinein, auch nicht in seinen eigenen, obwohl es aus ihm entsprungen ist. Tim scheint sich durch das existenzielle Gelübde in einen anderen verwandelt zu haben, in eine andere Möglichkeit seiner selbst.

Dominik Busch erfindet in diesem Theaterstück eine tief im Inneren gründende Fallanalyse. Sie veräußert sich in den Dialogen, die seine Hauptfigur Tim in einem Reigen aus Begegnungen mit den Menschen seines nächsten Umfeldes führt. Bevor die Sprechenden so im zweiten Teil des Stücks zu konkret handelnden Figuren werden, erfasst ein Kollektiv der Stimmen Tims Fall in einer nach-Gewitter klaren, hoch konzentrierten Sprache.

Der Theaterautor Dominik Busch setzt Worte architektonisch präzise wie Bausteine. Was er dabei erschafft, ist ein modellhaftes, im besten Sinne dramatisches Szenario: erzählt wird eine möglich sich ereignende Geschichte über die Suche nach der inneren Bestimmung jedes Menschen.

»Ich weiß nicht, es ist herzlos. Eine Maschine. Ohne Ohren. Und ich komme nicht zu ihm durch. Ich rufe da an, aber keiner geht ran. Und hier bin ich. Hier sind die Menschen. Das Leben. Gefühle. Und Wärme. Und da drüben ist das Gelübde. Kalt. Es redet nicht mit mir. Aber ihm habe ich mein Versprechen gegeben. Ihm, nicht Gott. Ich glaube nicht an Gott.«

(Quelle: Suhrkamp Theater Verlag, Berlin)